Grußwort zur Gründung eines Arbeitskreises „Justizgeschichte“ im April 2022 in Münster.
Liebe Freundinnen und Freunde der Justizgeschichte!
Als ich durch Zufall Mitgründer der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung in Wetzlar wurde, nahm ich diese Chance wahr, der Erforschung der Höchsten Gerichtsbarkeit dort eine institutionelle Grundlage zu verschaffen. Das Reichskammergerichtsmuseum in Wetzlar und die in seinen Räumen durchgeführten Tagungen wurden zum internationalen Treffpunkt für alle an der Justizgeschichte Interessierten: Rechts-historiker, Historiker und Archivare.
Als Historiker/innen wissen wir aber auch, dass alles Menschenwerk vergänglich ist. So ist auch der über Jahre hin bewährte Wetzlarer Rahmen zerbrochen. Ich begrüße es sehr, dass sich einige Rechtshistoriker/innen nicht damit begnügen wollen, über das Verlorene zu klagen, sondern der nach wie vor wichtigen Justizgeschichte eine neue institutionelle Form geben zu wollen.
Dabei sind sie nicht mehr an die damals durch den genius loci vorgegebene thematische Fokussierung auf die Reichskammergerichtsforschung gebunden. Selbstverständlich muss heute der Reichshofrat, dessen Quellen dank Wolfgang Sellerts Bemühungen erschlossen werden, gleichberechtigt neben dem Reichskammergericht berücksichtigt werden. Zudem sollte der Aspekt der Höchsten Gerichtsbarkeit ergänzt werden um die Erforschung der Instanzgerichte, weil das Funktionieren eines modernen Justizsystems nicht verstanden werden kann ohne das Ineinandergreifen der unteren Instanzen und des obersten Rechtsmittelgerichts. Die Einbeziehung der Strafjustiz, die schon mit der jetzigen Tagung vollzogen wurde, ergänzt die Themenpalette. Ebenfalls gehört die Rechtliche Zeitgeschichte zu einer modernen Konzeption.
Schließlich sollte das bewahrt werden, was Wetzlar über die Wissenschaft hinaus geschaffen hat: Das sich über Europa hin erstreckende Netzwerk von Freunden, das nicht nur der Erweiterung der persönlichen Perspektiven dient, sondern auch zur Förderung von Schülerinnen und Schülern genutzt werden kann.
Ich wünsche dem Neustart, den ich leider aus Altersgründen nur noch aus der Ferne begleiten kann, gutes Gelingen und Gedeihen. Ich weiß das Projekt bei Anja Amend-Taut und Peter Oestmann in guten Händen. Beide sind als Nachwuchswissenschaftler/in in den in Wetzlar entstandenen europäischen Freundeskreis hineingewachsen. Daher können sie das Gute von damals mit in das neue Projekt übernehmen.
Ich wünsche der Neugründung viel Erfolg mit einem herzlichen Glückauf.
Göttingen im März 2022
Bernhard Diestelkamp
